Wozu eigentlich das Ganze?

Auf die Schulung des Bewegungsgefühls, des Gefühls für den eigenen Körper, die Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Körpers und die Stabilisierung der Psyche wird hier das Hauptaugenmerk gerichtet. Voraussetzung ist die richtige Einschätzung der eigenen körperlichen Fähigkeiten und das Erkennen der Beweglichkeit. Daraus resultieren dann die Möglichkeiten, Verbesserungen zu erlernen und sich kompensierende Verhaltensweisen anzueigenen.

Regelmäßige gymnastische Übungen sind mit zunehmendem Alter für die Gelenkigkeit, den Gleichgewichtssinn, die Reaktionsschnelligkeit besonders wichtig. Dadurch wird ausserdem die Dehnfähigkeit der Sehnen und Muskeln erhalten und somit die Sturzgefahr verringert.

Ganz abgesehen vom positiven körperlichen Einfluss wird das Wohlbefinden gesteigert und der Degenerationsprozess kann hintangehalten werden. Dadurch wiederum ergeben sich die positiven Auswirkungen auf die Psyche.

Insgesamt gesehen sind unter dem Begriff Gymnastik verschiedene Übungsrichtungen zusammengefasst, die zum Ziel haben die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern, bzw. als Sturzprophylaxe zu dienen.

Auf- und Abwärmen

Das Aufwärmen stellt bei allen sportlichen Betätigungen einen wichtigen Teil dar und dient vor allem der Vermeidung von Verletzungen und der Vorbereitung auf die körperliche Leistung. Dabei soll eine Steigerung der Körpertemperatur erreicht werden und eine Aktivierung und Einregulierung des Herz-Kreislaufsystems.

Begleitend dazu sollen auch Dehnungsübungen durchgeführt werden.

Wollen Sie sich ganz gezielt für die Ausübung einer bestimmten Sportart aufwärmen, so sollen sämtliche beteiligte Muskelgruppen angesprochen werden. Mit zunehmendem Alter muss auch mehr Zeit für das Aufwärmen einkalkuliert werden als bei einem jungen Menschen.

Ziel ist es, durch eine Verbesserung der Energie- und Sauerstoffzufuhr eine höhere Leistungsfähigkeit zu erreichen. Durch die dadurch gegebene höhere Elastizität der Muskulatur wird die Verletzungsanfälligkeit verringert. Sie bereiten Ihre Bänder, Sehnen und Gelenke auf die nachfolgende Belastung vor und aus psychologischer Sicht dient das Aufwärmen zur mentalen Einstimmung.

Dehnen & Stretching

Auch das richtige Dehnen will geübt und gelernt werden. Erstes und oberstes Gebot jedoch ist, dass Sie nie so weit dehnen, bis Sie Schmerz verspüren. Das führt sehr rasch zu Verletzungen.

Wie bereits erwähnt ist es wichtig, dass der Körper bereits aufgewärmt ist. Hier ist eine warme Umgebung von Vorteil. Am besten, Sie versuchen abzuschalten und zu entspannen - vielleicht mit ein wenig Musik.

Wichtig ist, dass Sie langsam und kontrolliert dehnen. Konzentrieren Sie sich auf die Entspannung der gedehnten Muskulatur und unterstützen Sie die Dehnung durch betontes Ausatmen. Versuchen Sie nicht, den Atem anzuhalten! Bei Bedarf wiederholen Sie die einzelnen Übungen zwei bis drei Mal.

Wenn Sie sich z. B. durch langes Sitzen am Computer verspannt fühlen, dann stehen Sie zwischendurch ruhig einmal auf, dehnen und strecken Sie Ihren Körper und Ihre Gliedmaßen. Am besten machen Sie das Ganze bei geöffnetem Fenster, verbunden mit einigen tiefen Atemzügen. So erhält auch Ihr Gehirn wieder etwas frischen Sauerstoff.

Reflexe

Unter Reflex versteht man eine neuronale Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Diese Reflexe können angeboren oder erworben sein. Angeborene Reflexe werden als Adaption des Organismus auf die Lebensbedingungen gedeutet. Die gelernten, erworbenen, bedingten oder konditionierten Reflexe werden im Laufe des Lebens im Kleinhirn abgespeichert. Damit reagiert man in gleichen oder ähnlichen Situation ganz "automatisch".

Aufgrund der Alterung des Organismus läßt im Lauf der Jahre auch die Reaktionsfähigkeit nach, ebenso wie auch die Konzentrationsfähigkeit. Ein Faktor, der ganz besonders beim eigenen Verhalten im Straßenverkehr beobachtet werden sollte.

Doch auch hier ist es möglich, durch gezielte Übungen die Fähigkeit, auf äußere Reize möglichst rasch und unvermittelt zu reagieren, zu erhalten und wieder zu steigern.

Gleichgewicht

Der Gleichgewichtssinn dient zur Orientierung des eigenen Körpers im Raum. Das Zentrum liegt im Innenohr und im Kleinhirn und er ist ausserdem auch noch mit den Augen und mit anderen Sinnen, sowie mit Reflexen verbunden.

So dient z. B. der Gesichtssinn zur Feststellung des eigenen Standpunktes im Raum. Bei Körperdrehungen und teilweise auch bei der Beschleunigung kommt die Muskulatur zum Einsatz. Das Gehör dient zur Abschätzung von Geschwindigkeiten mit Hilfe von Luftgeräuschen und der Hautsinn für die Bewegungen der Luft an sich, sowie auch für die eigene Bewegung.

Der Gleichgeweichtssinn wird oftmals dadurch getrübt, dass wir aufgrund unseres körperlichen Zustandes - geschwächte Muskulatur, schlechtes Sehen, schlechtes Hören, usw. - verunsichert werden und uns dadurch extrem vorsichtig bewegen. So werden z. B. unsere Schritte kürzer und manchmal kommt dann auch die Gehbewegung nicht mehr aus der Hüfte, sondern aus den Knien, wie dies etwa bei Parkinson-Betroffenen oder MS-Patienten der Fall sein kann.

Ein kleines Beispiel zur eigenen Überprüfung: Stellen Sie sich einfach in die Mitte eines Raumes, z. B. ihres Wohnzimmers und spüren Sie nach, wie Sie sich fühlen. Dann schließen Sie die Augen. - Hat sich etwas verändert? Die gleiche Übung probieren Sie dann auch noch in einer fremden Umgebung oder im Freien aus. Vermutlich wird es so sein, dass Sie hier deutliche Unterschiede gegenüber dem Stehen in Ihren eigenen vier Wänden wahrnehmen werden.

koordinative Fähigkeiten

Darunter versteht man in Bezug auf sportliche Aktivitäten vor allem die Prozesse der Bewegungssteuerung und -regelung. Diese funktionieren umso besser, je vielfältiger und gezielter Bewegungsreize gesetzt werden.

Hier als Beispiel zur Unterscheidung koordinativer Fähigkeiten nach Prof. Dr. Klaus Zimmermann:

  • Kopplungsfähigkeit - Dabei handelt es sich um die Koordination von Kopf, Beinen und Rumpf zueinander.
  • Differenzierungsfähigkeit - Darunter versteht man das Wahrnehmen von Unterschieden in räumlicher, zeitlicher und dynamischer Hinsicht und die Bewegung darauf einstellen.
  • Gleichgewichtsfähigkeit - Es geht darum, das Gleichgewicht zu halten, wiederzufinden und zu stabilisieren.
  • Orientierungsfähigkeit - Hier geht es um Körperwahrnehmung und Wahrnehmung der Umgebung in räumlicher und zeitlicher Hinsicht.
  • Rhythmisierungsfähigkeit - Unterscheidung zwischen innerer und äußerer, z. B. der Schritt, bzw. Musik und tanzen oder Übungen mit Musik.
  • Reaktionsfähigkeit - Hier geht es um eine möglichst schnelle Wahrnehmung von Situatione, sowie eine rasche und adäquate Reaktion darauf.
  • Umstellungsfähigkeit - auf neue Situationen, Bewegungsabläufe, Geschwindigkeit, Untergrund, usw.
  • Antizipationsfähigkeit - ist das mentale Erstellen von zeitlichen und räumlichen Vorwegnahmen, also "vorausschauende Wahrnehmungserkennung".
  • Kombinationsfähigkeit - Das bedeutet, mehrere gleichzeitige Bewegungen miteinander zu kombinieren.
  • Steuerungsfähigkeit - Hier geht es um die Steuerung des Körpers im Raum.
  • Geschicklichkeit - ist das Ausmaß oder die Leichtigkeit mit der eine bestimmte Bewegung ausgeführt wird.
  • Wendigkeit - bedeutet, über einen sehr beweglichen und behänden Körper verfügen, mit dem man auch schnelle Richtungswechsel vornehmen kann.

Aus dieser Aufzählung ist leicht zu erkennen, dass dies Fähigkeiten sind, die sehr übergreifend und verbindend zwischen Körper und Geist sind. In beiden Fällen ist es möglich, diese auch im fortgeschrittenen Alter zu trainieren und eine Leistungssteigerung herbeizuführen.

Regeneration

Regeneration bedeutet die Wiederherstellung eines Gleichgewichtszustandes nach vorangegangener Belastung. Die Einheiten von Regeneration und Belastung stelles eines der wesentlichen Grundprinzipien der Trainingsgestaltung dar.

Je intensiver eine Belastung ist, umso mehr Zeit wird die darauffolgende Regenerationsphase in Anspruch nehmen. Das heißt, je ungeübter und untrainierter Sie sind, umso länger brauchen Sie, bis Ihr Körper wieder im Gleichgewicht ist. Sie werden feststellen, wenn Sie langsam mit einem Training beginnen, dass sich diese Zeit der Erholung verkürzen wird. - Ihr Organismus lernt und Ihr körperlicher Zustand verbessert sich und damit auch Ihr allgemeines Wohlbefinden.

zurück